Blick hoch zur Kuppel der Cappella Palatina

Cappella Palatina im Palazzo Reale: Die schönste Hofkapelle der Welt

Wahre Schönheit kommt von innen. Nirgendwo trifft das besser zu als beim Palazzo Reale (Normannenpalast) in Palermo. Der von Normannenkönig Roger II im mittelalterlichen Stadtkern erbaute Palast hütet einen funkelnden Schatz im Inneren: die Palastkapelle "Cappella Palatina". In diesem Artikel erfahren Sie, warum sie als schönste Hofkapelle der Welt gilt.

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Eine römische Festungsanlage als Basis

Wenn Sie auf dem Corso Vitorio Emanuele die Kathedrale zu ihrer rechten hinter sich lassen, folgt auf der linken Seite nach einigen Metern bergauf der Normannenpalast (Palazzo dei Normanni oder Palazzo Reale).

Der Palazzo Reale mit dem Park der Villa Bonanno im Vordergrund
Der Palazzo Reale mit dem Park der Villa Bonanno im Vordergrund und dem normannischen Turm "Torre Pisana" in der Mitte. Foto: © stepmar – stock.adobe.com.
Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Die Wurzeln des historischen Gebäudes reichen bis in die Antike zurück. Bei Ausgrabungsarbeiten wurden unter dem Palast Mauerreste einer römischen Festungsanlage entdeckt. Einen Teil dieser Ausgrabungen können Sie heute im Außenbereich des Palastes besichtigen.

Die ältesten Bauteile des heutigen Palastes stammen aus dem 9. Jahrhundert, als Sizilien unter arabisch-muslimischer Herrschaft stand. Der Emir von Palermo ließ auf den alten Festungsfundamenten eine Burg errichten, die in erster Linie als militärische Festung diente. Im Arabischen wurde sie "Qasr" genannt.

Ausbau durch die Normannen

Im 11. Jahrhundert eroberten die Normannen Palermo und übernahmen die Macht in der Stadt. Roger II. erwählte die arabische Burganlage zu seiner Herrscherresidenz und gab unmittelbar umfangreiche Bauarbeiten in Auftrag.

Ein Großteil der heute erhaltenen architektonischen Elemente stammt aus dieser Zeit. Dazu zählt etwa die "Stanza di Ruggero", das Privatzimmer von König Roger.

Seine Wände sind mit Marmor getäfelt, die Decke aufwendig mit Goldmosaiken dekoriert. In der Mitte des Saales befindet sich eine weitere Kostbarkeit, ein Tisch aus versteinertem Sequoia-Holz.

Das Zimmer von König Roger im Palazzo Reale
Das Zimmer von König Roger im Palazzo Reale. Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita.
Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Ebenfalls erhalten ist die "Sala dei Venti", der Saal der Winde. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein offenes Atrium, das den Vorraum zu Rogers Privatzimmer bildete. Erst später wurde der Raum mit einer Holzdecke versehen, die von mehreren Säulen und Spitzbögen getragen wird.

Der Sala dei Venti im Palazzo Reale
Der "Sala dei Venti" im Palazzo Reale. Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita.
Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Auch die charakteristischen Blendarkaden im Außenbereich des Palastes gehen noch auf die Zeit der Normannen zurück.

Der normannische Teil des Palazzo Reale
Der normannische Teil mit den dafür typischen Blendarkaden an der Fassade
Foto: © lapas77 / Shutterstock.com. Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Die Palastkapelle "Cappella Palatina"

Die Hauptattraktion des Normannenpalastes ist aber zweifellos die Hofkapelle, die sogenannte Cappella Palatina. Wer es nicht weiß, ahnt von außen nicht, dass sich inmitten des Palastes ein solch funkelnder Schatz befindet. Lassen Sie sich also nicht von der schlichten Fassade oder dem hohen Eintrittspreis auf keinen Fall davon abhalten, den Palast von innen zu besichtigen.

Die Kapelle wurde zwischen 1132 und 1140 im Auftrag von Roger II. errichtet und gehört heute, noch 900 Jahre nach ihrer Entstehung, zu den außergewöhnlichsten Bauwerken der Welt.

Fakten zur Cappella Palatina:

  • Breite: 12 Meter
  • Kuppel in 18 Metern Höhe
  • Decke in geschnitztem Holz
  • 424 Mosaike komponiert zu einer Abfolge von 314 Bildern
  • Mosaike aus Gold, Silber und Glas auf einer Fläche von 1800 qm
  • Unesco Weltkulturerbe seit 2015.

Blick in die Cappella Palatina vom Eingang aus
Blick nach rechts in die Capella Palatina hinein vom Eingang aus
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita. Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.
Die Kuppel mit Christus als Pantokrator über dem Hauptaltar in der Cappella Palatina
Die Kuppel mit Christus als Pantokrator über dem Hauptaltar in der Cappella Palatina
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita Pistillo99, Cappella Palatina (low-angle), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Bevor wir uns das Interior im Detail anschauen, für welches die Kapelle weltberühmt ist, gehen wir noch einmal zwei Jahre zurück in das Jahr 1130. Roger II. hat Palermo gerade zu seinem Hauptsitz gemacht und bezieht die alte arabische Festung als Regierungssitz. Für ihn ist es wie für jeden christlichen Herrscher nun die Pflicht, seiner Krone einen sakralen Rahmen zu geben und so lässt er eine erste Kapelle bauen.

Diese ist jedoch noch nicht die heutige Cappella Palatina, nein. Es ist vielmehr eines der Details der jetzigen Kapelle, dass sie direkt über jener ersten gebaut wurde. Heute dient die unbekanntere erste Kapelle als unterirdische Krypta, die jedoch für Besucher*innen unzugänglich ist. 1130 jedenfalls ist sie die erste Kapelle des Palastes und der Ort, an dem Roger II. zum König gekrönt wird.

Eingang zur unterirdichen Krypta in der Capella Palatina
Der Eingang zur ersten Kapella, die heute als unterirdische Krypta genutzt wird
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita. Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Symbol der Toleranz zwischen den Völkern

Um Gott für seine irdische Krone zu danken, beschließt der neu gekrönte normannische Herrscher, dass eine weitere neue Kapelle errichtet und das großartigste Bauwerk werden soll, dass jemals zu Ehren Gottes gebaut wurde.

Doch es ist nicht allein die Optik, welche die Cappella Palatina später und noch heute zu einem besonderen Bauwerk und zur schönsten Hofkapelle der Welt macht. Es ist die Botschaft von Roger II. die ihr, visuell in jede Ecke der Kapelle manifestiert, einen besonderen Stellenwert in der Geschichte gibt. Um die Bedeutung des Bauwerks besser zu verstehen, versetzen wir uns kurz in die damalige Zeit zurück.

Diese Zeit ist geprägt von Glaubenskriegen, von Eroberungen und Massakern. Die Herrschaft des neuen Königs ist zudem umstritten. Er ist ein junger Mann, ein Fremder in Palermo, Normanne und hat zudem nur verhältnismäßig wenige Männern in seiner Gefolgschaft. Seine neuen Untertanen in Palermo sind hingegen Araber, Griechen, Juden, Albaner, Alexandriner oder sogar Perser.

Der junge Herrscher weiß, dass er dieses explosive Völkergemisch auf Sizilien nicht auf Dauer mit Gewalt kontrollieren wird können und entscheidet sich für eine für diese Zeit ungewöhnliche Politik. Er verkündet ein Zeitalter der Toleranz. Seine Vision ist es, dass jedes Volk, jede Religion ihren Platz in seinem Reich haben und Palermo zu einem aufgeklärten Ort der Glaubensfreiheit werden soll.

Seinen Toleranzerlass lässt er sogleich in drei Sprachen verfassen und als Signal an die Anhänger der verschiedenen Religionen an den Wänden seiner Kapelle verewigen: auf Arabisch, Latein und auf Griechisch.

In einer Zeit, in der ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen kann, sind Abbildungen ein wichtiges und eindrucksvolles Mittel, um die Bevölkerung zu erreichen und die Vision der Toleranz zu vermitteln. Die Palastkapelle als visuelles Medium ist von Beginn an Schaubild der Philosophie Roger II. und erfüllt diese kommunikative Funktion in Perfektion.

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Die üppigen Goldgrundmosaike

Bekannt ist die Cappella Palatina vor allem für ihre üppigen Goldgrundmosaike, die eine Reihe von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen.

Nach Ansicht der Kunsthistoriker sind die Fertigkeit und die Ästhetik, die die Mosaiken der Kapelle auszeichnen nirgendwo sonst erreicht worden.

Gold und Silber wurden in feinen Blättern in das Glas eingearbeitet und verleihen ihm seinen strahlenden Glanz. Und weitere kostbare Materialien wie Marmor oder Serpentin schimmern dort, wo kein Gold oder Silber verwendet wurde.

Szenen aus dem alten Testament an den Seitenwänden der Cappella Palatina
Szenen aus dem alten Testament an den Seitenwänden
Foto: © Andrea Schaffer, from Sydney, Australia, Cappella Palatina (38654373955), CC BY 2.0 Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.
Blick in die Capella Palatina im Palermo Normannenpalast
Foto: © Colsu, Chapelle Palatine, Abside ouest, CC BY-SA 4.0 Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

In der Kuppel der Kapelle ist Christus als "Pantokrator" - also als Weltherrscher - dargestellt, umringt von acht Engeln.

Bild der Kuppel mit Christus als Pantokrator in der Cappella Palatina
Bild der Kuppel mit Christus als Pantokrator und acht Engeln um ihn herum
Foto: © Yulka-lucia, Capella Palatina, Sicily, CC BY-SA 4.0 Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

An den Seitenwänden finden sich in chronologischer Reihenfolge Episoden aus dem Alten Testament, beginnend mit der biblischen Schöpfungsgeschichte. Es werden zudem wichtige Stationen aus dem Leben von Christus und Paulus in Szene gesetzt.

Mosaik von Christus mit Peter und Paul im Mittelschiff der Cappella Palatina
Das Mosaik von Christus mit Peter und Paul im Mittelschiff unterhalb der Holzdecke
Foto: © Andrea Schaffer, from Sydney, Australia, Cappella Palatina (27774733999), CC BY 2.0 Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Während die Wände des Hauptschiffs dem christlichen Glauben vorbehalten sind, soll die Decke dagegen der Vielfalt der Kulturen gewidmet werden, die nach dem Willen von Roger II. unter seiner Herrschaft gemeinsam existieren sollen. Roger II. lässt dafür Handwerker aus Marokko und Libyen kommen, um die Vollholzdecke der Kapelle zu gestalten.

Die Decke ist ein nie zuvor gesehener Triumph der Holzschneidekunst. Die Rahmen, die von den nordafrikanischen Schreinern in aufwendiger Kleinarbeit geschnitzt werden, enthalten waben- und Stalaktit förmige Strukturen. Diese werden anschließend von ägyptischen Künstlern ausgemalt und zeigen weltliche Motive wie Freiheit, Tanz, Freude, Musik oder Spiel.

Blick auf die wabenförmige Holzdecke in der Capella Palatina
Die bemalte Holzdecke mit dekorativen Elementen in Form von Waben
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Und auch ein Abbild des Herrschers ist in der Kapelle verewigt. Achten Sie auf das Abbild von Roger II. Dessen Haltung ist so dargestellt, dass sie jedes seiner Völker anspricht. So ist er mit eine Krone, seinem Bart, seinen langen Haaren und dem Wein, dass das Blut Christi symbolisiert, als christlicher Herrscher erkennbar. Aber er sitzt auch auf orientalische Art mit gekreuzten Beinen auf dem Boden.

Roger II. von Sizilien, dargestellt im christlichen und arabischen Stil
Roger II. von Sizilien, dargestellt im christlichen und arabischen Stil
Foto: © Arabischer Maler der Palastkapelle in Palermo, Arabischer Maler der Palastkapelle in Palermo 002, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Porphyr Marmor als Zeichen der Machtkonzentration

Eindrucksvoll ist auch der kostbare Marmorboden der Kapelle mit seinen verschlungenen Mustern. Purpur gilt dabei als die Farbe der Mächtigen in der Antike. Der purpurnste und zugleich kostbarste Marmor ist der aus Ägypten kommende Porphyr. Roger II. lässt ihn in großen Platten in den Wänden und im Boden der Kapelle anbringen und illustriert damit die Bedeutung des Ortes als einer Stätte zentrierter Macht.

Bodenmosaike aus Pohyr Marmor in der Capella Palatina
Bodenmosaike aus Pohyr Marmor in der Capella Palatina
Foto: © Robin Marx – BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Wenn Sie vor dem Hauptaltar stehen, schauen Sie sich die Marmorplatten davor an. Hier ist der Platz von Roger II. während der Messe auf der größten Porphyr Platte vorgesehen gewesen. Sie liegt bewusst unter dem Bild von Christus in der Kuppel.

Bemerkenswerte Details in der Cappella Palatina

Die Bilder der Kapelle bergen viele Details, die sich nur dem Blick des Eingeweihten erschließen, aber bemerkenswert sind Drei davon stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Auf dem Boden links und rechts vom Hauptaltar wachen geschlängelte Drachen symbolisch über die Zeit. Die beiden Drachenkörper in Form einer liegenden acht sollen den Ort mit der Ewigkeit, dem Unendlichen, verbinden. Das Symbol dafür ist auch damals schon die acht.

Ein Detail, das nicht sofort ins Auge fällt, aber auf einen erstaunlichen Fakt verweist, ist die Darstellung der Erde auf einem Mosaikbild. Zu der damaligen Zeit glaubte man allgemein noch, die Erde sei flach, aber Roger lässt sie als rund darstellen, lange bevor dies allgemein wissenschaftlich anerkannt ist.

Das Wissen darüber hat er von dem Araber al-Idrisi, den gelehrtesten Astronomen dieser Tage. Der Kartograph, Geograph und Botaniker legt Roger II. Manuskripte vor, die aus dem alten Ägypten stammen und belegen, dass die ägyptischen Herrscher bereits zwei Jahrhunderte vor Christus davon ausgingen, dass die Erde rund sei.

Mosaik mit runder Welt in der Cappella Palatina
Die runde Darstellung der Welt als Mosaik
Foto: © Robin Marx – BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Die Modernität von Roger II. zeigt sich in allen Details der Kapelle und begeistert Kunsthistoriker bis heute. Einige Mosaiken revolutionierten die Kunst ihrer Zeit. Vor allem das Mosaik vom Einzug Christi in Jerusalem fasziniert bis heute. Die perspektivische Darstellung des Einzugs nahm die Regeln der italienischen Renaissance vorweg, die erst zwei Jahrhunderte später das Menschenbild Europas verändern wird.

Mosaik mit der Szene vom Einzug Christi in Jerusalem
Dieses Mosaik in der Capella Palatina zeigt die Szene vom Einzug Christi in Jerusalem.
Foto: © Meister der Palastkapelle in Palermo, Meister der Palastkapelle in Palermo 002, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

12 Jahre lang stellen die Handwerker ihre Kunst in den Dienst Roger II. und seiner Botschaft. Im Jahre 1142, also 2 Jahre nach der Weihung, sieht er, mit den fertigen Mosaiken im Altarraum, sein Werk vollendet.

Um das Ereignis zu feiern, lässt Roger II. es auf einem Marmorblock und aus Respekt vor den anderen Religionen gemäß deren Kalendern verewigen. Für die Christen das Jahr 1142 in Latein, für die Juden das Jahr 6650 in Griechisch und für die Muslimen das 536 auf Arabisch.

Marmorblock mit dreisprachiger Inschrift im Palazzo Reale
Die dreisprachige Inschrift auf einem Marmorblock im Palazzo Reale
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Der Renaissanceflügel

Nach dem Niedergang der Normannenherrschaft verfiel der Palast, bis er im 16. Jahrhundert durch die spanischen Vizekönige wiederentdeckt und restauriert wurde. Aus dieser Zeit stammen die Fassaden und Malereien im Renaissance-Stil.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein fanden immer wieder Renovierungs- und Umbauarbeiten statt. Der Normannenpalast weist heute daher sehr unterschiedliche Stilelemente aus verschiedenen Kulturen und Epochen auf.

Die spanischen Vizekönige ließen drei der ursprünglich vier normannischen Türme abtragen, erhalten blieb nur der sogenannte "Torre Pisana“.

Der Torre Pisana vom Park derVilla Vonanno aus
Der Torre Pisana vom Park der Villa Bonanno
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

An den Torre Pisana schließt links die Renaissance-Fassade an der Ostseite des heutigen Palastes mit dem großen Eingangsportal in der Mitte an.

Renaissance Fassade des Normannenpalastes
Foto: © Bjs, Palermo-Castle-bjs-1, CC0 1.0 Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Unser Tipp:
Vor dem Renaissanceflügel befindet sich der Park der Villa Bonanno mit dem sehenswerten Denkmal Phillip V. aus dem Jahr 1661. Nutzen Sie die Anlage für einen Spaziergang und die Statue mit dem Palast im Hintergrund für ein Foto.

Steinstatue im Park der Villa Bonanno
Steinstatue im Park der Villa Bonanno vor dem Renaissaneflügel des Palazzo Reale
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Die früheren militärischen Anlagen wurden zur Zeit der spanischen Vizekönige abgebaut. Dafür entstand eine Reihe weiterer Elemente im Renaissance-Stil. Dazu zählt etwa die "Sala de Ercole", der Herkulessaal. Er dient seit 1946 als Sitzungssaal des Parlaments. Besucher können ihn heute bei Führungen besichtigen.

Der Sitzungssaal des Parlaments im Palazzo Reale
Foto: © A. Karnholz – stock.adobe.com Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Ebenfalls aus der Zeit der Vizekönige stammt die Porta Nuova, ein herrliches Tor im Westen des Palastes.

Die Porta Nuova in Palermo
Foto: © Leandro Neumann Ciuffo, Porta Nuova (1036665013), CC BY 2.0 Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Darüber hinaus wurden die Innenhöfe mit ihren prachtvollen Säulengängen ab dem 16. Jahrhundert neugestaltet.

Der Innenhof im Palazzo Reale mit seinen Säulengängen
Der Innenhof im Palazzo Reale mit seinen Säulengängen
Foto: © Robin Marx - BnB Dolcevita Für die Reproduktion der Fotos der Palatinischen Kapelle von Palermo danken wir der Zentraldirektion für Kultusangelegenheiten und für die Verwaltung des Fonds für Kultusgebäude des Innenministeriums als Eigentümer.

Klare Empfehlung: Die schönste Kapelle der Welt

Die Kapelle des Normannenpalastes in Palermo erstaunt die Welt noch immer durch ihre visuelle Schönheit und die unerreichte Fülle ihrer Mosaiken und ihrer Decke.

Es ist ein Werk, mit dem Roger II. eine Brücke zwischen den Völkern gebaut hat und in das Details eingeflossen sind, die ihrer Zeit voraus gingen. Kunsthistoriker sind sich einig, dass in seinem aufgeklärten Königreich von Sizilien und Neapel damit die Geburtsstunde der italienischen Renaissance stattfand.

Als „die schönste Kapelle der Welt“ hatte schon der französische Schriftsteller Guy de Maupassant die Cappella Palatina bezeichnet. Wir schließen uns ihm an und empfehlen Ihnen diesen Ort auf jeden Fall zu besuchen, wenn Sie in der sizilianischen Hauptstadt sind.

Öffnungszeiten, Preise & Karte

Öffnungszeiten & Adresse
Mo- Sa: 08:15 Uhr bis 17:40 Uhr, letzter Eintritt um 17.00 Uhr
So + Feiertage: 08:15 Uhr bis 13.00 Uhr, letzter Eintritt um 12:15 Uhr
Der Eintrittspreis beträgt im Normaltarif 8,50 Euro (6,50 Euro reduziert)
Standort anzeigen (Google Maps)
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