Besucher in der Palermo Kapuzinergruft

Kapuzinergruft Palermo: tausende Mumien erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens

Fürchten Sie sich vor dem Tod? In den Kapuzinerkatakomben haben Sie die Chance, es herauszufinden. Denn: Hier trennen nur Zentimeter die Besucher von den "Mumien Palermos". Bereit?

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Purer Zufall: Vom schlechtesten Standort zum Hotspot

Im Jahr 1534 errichteten die Kapuzinermönche in Palermo ihr erstes Kloster auf Sizilien - in der Nähe der Kirche Santa Maria Della (Die Friedensfrau). Der Platz wurde ihnen zugeteilt als sie ansiedelten und galt als das schlechteste Stück Land. Als Begräbnisstätte für ihre Glaubensbrüder nutzen die Mönche eine kleine Gruft, die sie unter dem Altar der heiligen Anna ausgehoben hatten. Verstorbene Mönche wurden, eingewickelt in Laken, von oben in diese Grabkammer hinabgelassen.

Doch: Die Gemeinschaft der Kapuziner wurde mit der Zeit immer größer und so reichte das Grab im Jahr 1597 nicht mehr aus. Um ihr Platzproblem zu lösen, wählten die Mönche die alten Höhlen hinter dem Hauptaltar als Ausweichfläche. Sie entschieden, diese auszugraben und als Katakomben für die Kapuzinermönche zu nutzen. Gesagt, getan: Die Ausgrabungen starteten.

Gang mit Mumien links und rechts
Gang mit Mumien links und rechts
Foto: © AnonymousUnknown author, Momias 11, CC BY-SA 4.0

Zwei Jahre später war der neue unterirdische Friedhof fertig. Als die Mönche jedoch die alte Grabkammer öffneten, um ihre toten Brüder an ihren neuen Bestimmungsort zu überführen, stießen sie auf fünfundvierzig unversehrte, natürlich mumifizierte Leichen. Die Tuffsteinwände des Gewölbes und die Zugluft-Bedingungen hatten ein normales Verwesen der Toten verhindert.

Die gut erhaltenen Körper waren ein Schock für die Einheimischen. Sie hielten es für ein Zeichen des Himmels und der damalige Abt beschloss, die Toten als Symbol der eigenen Vergänglichkeit (Memento mori) auszustellen.

Die erste in den Katakomben ausgestellte Mumie war die von Mönch Frate Silvestro da Gubbio. Er wurde In einem schlichten braunen Gewand aufgebahrt, mit einem Kopfschmuck und einem Schild, dass seinen Tod auf den 16. Oktober 1599 datierte. Wenn Sie heute diesen Museumsfriedhof besuchen, werden Sie auf 1.100 Mumien stoßen, die, ihr bestes Gewand tragend, an die Wand gepinnt, auf Bänken sitzend oder in offenen Särgen liegend, ausgestellt sind.

Die Mumie von Frate Silvestro da Gubbio
Die Mumie von Frate Silvestro da Gubbio, dem ersten Mönch, der in der Kapuzinergruft ausgestellt wurde. Foto: © Carlo Vannini, Momias 9, Ausschnitt von RM, CC BY-SA 4.0

Zusätzlich zu den 1.100 offen zur Schau gestellten mumifizierten Toten liegen hier schätzungsweise zudem weitere 900 Leichen in Särgen und unter Grabplatten. Das schlechte Land entpuppte sich für die Mönche als wahrer Segen. Heute bilden die Catacombe dei Cappuccini den Abschluss der Altstadt und sind ein weltweit bekannter Publikumsmagnet.

Und wie ging die Geschichte nach den ersten Funden weiter? Wie kam es dazu, dass hier tausende Mumien hinzukamen? Dazu kommen wir jetzt.

Aufgebahrte Leichnamen entlang der Gänge in der Kapuzinergruft in Palermo
Die Leichname sind entlang der Gänge aufgebahrt. Foto: © Gmihail at Serbian Wikipedia, Catacombe dei Cappuccini Corridoio Frati Cappucini, CC BY-SA 3.0 RS

Auf Wachstumskurs: Das Museum des Todes wird bekannt

Die Nachricht von den fünfundvierzig mumifizierten Leichen verbreitete sich wie ein Lauffeuer, zuerst in Italien, dann in ganz Europa. Schon bald begannen sich die Einheimischen für eine Mumifizierung zu interessieren. Im Jahr 1783 wurde entschieden, jeden aufzunehmen, der sich einen Platz in den Krypten der Kapuziner wünschte und leisten konnte.

Was einst der private Friedhof für die Mönche war, stand nun der Öffentlichkeit und den Einheimischen zur Verfügung. Menschen aus aller Welt sahen die Kapuzinerkatakomben als das Museum des Todes. Die Zahl der Mumien stieg mit der Zeit und zusätzliche Gänge wurden gebaut, um diese unterzubringen.

Vom siebzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert ließen sich Tausende Menschen in den Katakomben bestatten. Da die Kosten für den gesamten Mumifizierungsprozess hoch waren, konnte sich nur die elitäre Klasse das Ritual leisten. Unter den Mumien finden sich daher vor allem Menschen aus königlichen Familien, Regierungsgeneräle, wohlhabende Palermitaner und Berühmtheiten.

Liste der berühmten Toten in der Kapuzinergruft:

  • Alessio Narbone (berühmter Schriftsteller)
  • Don Vincenzo Agati (berühmter Schriftsteller)
  • Ayala (tunesischer Königssohn)
  • Filippo Pennino (berühmter Bildhauer)
  • Lorenzo Marabitti (berühmter Bildhauer)
  • Salvatore Manzella (Medikus)
  • Mons. Franco D’Agostino (Bischoff des byzantinischen Ritus)

Die Mumien der Reichen
Die Mumien der Reichen meist eingekleidet in feinen Gewändern.
Foto: © Rolf Dietrich Brecher, from Germany, High Hanging Society (37030656214), CC BY-SA 2.0

Die Bestattung in den Kapuzinerkatakomben war zu einem Statussymbol geworden und deshalb schenkten sich Familienmitglieder hohe Summen, um ihren Verwandten eine Grabstätte in den Katakomben zu sichern. Im Laufe der Zeit wurden die Leichen nach Kategorien angeordnet. So gibt es einen Korridor für Männer, Frauen, Priester, Mönche und einen Korridor für bestimmte Berufe. Zudem noch zwei Nischen, eine für Jungfrauen und eine für Kinder.

Auch Antonio Prestigiacomo ist seit dem Jahr 1844 an einer der Wände platziert. Seine mit Arsene und Quecksilber einbalsamierte Leiche blickt aus 3 Metern Höhe auf die Besucher herab. Prestigiacomo galt zu Lebzeiten mit seiner für die damalige Zeit ungewöhnlichen Körpergröße von 1,90m als Frauenheld und starb Gerüchten zufolge beim Duell mit einem eifersüchtigen Ehemann. Angeblich wünschte sich der Gigolo, in den Katakomben seine letzte Ruhe zu finden, da er nur auf diese Weise auch im Tode noch weiter Frauen hinterherschauen konnte.

Antonio Prestigiacomo in der Kapuzinergruft
Der Frauenheld Antonio Prestigiacomo in der Kapuzinergruft. Foto: © rene boulay, Sicile Palerme Catacombes Capucins - panoramio, Ausschnitt von RM, CC BY-SA 3.0

In der Aufzählung der berühmten Mumien des Klosters fehlt noch die bekannteste und - Sorry, Antonio, aber du bist es nicht - schönste Mumie: eine Kinderleiche. Sie ist so außergewöhnlich, dass sie sogar getrennt von den anderen Kindern in einer Kapelle aufbewahrt wird. Wir kommen noch auf sie zu sprechen.

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Die Perfektionierung des Mumifizierungs-Prozesses

Die meisten Mumien von Palermo in den Kapuzinerkatakomben sind das Ergebnis einer natürlichen Konservierung. Diese basiert auf Dehydrierung. Einmal dehydriert, wird der Verfall menschlichen Gewebes durch Bakterien und Fäulniserreger stark eingeschränkt. Mumifizierten die ersten Leichen noch wegen der besonderen klimatischen Bedingungen unter den Katakomben, so gingen die Mönche später ganz gezielt vor.

Unmittelbar nach dem Tod wurden die Körper in einem Präparationsraum ("Colatoio") aufbewahrt. Hier entfernte man die inneren Organe der Toten und platzierte an deren Stelle Stroh, was das Austrocknen der Körper fördern sollte.

Anschließend wurden die Leichen in Rückenlage auf Terrakotta-Gürteln aufbewahrt. Auf diese Weise konnte die Flüssigkeit komplett aus den Körpern entweichen. Für die Dauer von einem Jahr und unter optimaler Temperatur und Luftfeuchtigkeit wurden die Leichen so gelagert.

Nach Ablauf des Konservierungs-Jahres wurden die Leichen mit Essig gewaschen und erst dann wieder mit Luft in Kontakt gebracht. Schließlich wurden die mumifizierten Körper eingekleidet und in den Wandnischen der Katakomben ausgestellt.

Blick in den Präparationsraum in der Kapuzinergruft
Blick in den Präparationsraum der Kapuzinergruft
Foto: © Sibeaster, Collatio, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons,

Die schlafende Schönheit der Kapuzinerkatakomben

Es gibt nur wenige Fälle, in denen die Mönche von Palermo die künstliche Mumifizierung zur Leichenkonservierung verwendeten. Dabei wurde den toten Körpern Chemikalien injiziert, um den Verwesungsprozess zu unterbinden. Es ist bekannt, dass die Mumien, die durch künstliche Mumifizierung entstanden sind, am besten erhalten sind.

Die künstlich mumifizierte und bekannteste Leiche in den Kapuzinerkatakomben ist die eines zweijährigen Mädchens, namens Rosalia Lombardo. Sie ist bekannt als die "schlafende Schönheit von Sizilien". Rosalia wurde im Jahr 1918 in einem wohlhabenden Haus eines Generals geboren. Leider schlug die spanische Grippe sehr früh zu und sie starb 1920 im Alter von gerade einmal 2 Jahren.

Ihr Vater, eine einflussreiche Persönlichkeit in der Stadt, war untröstlich und entschied, dass seine abgöttisch geliebte Tochter den Tod überdauern sollte. Dank seinem Einfluss und seinen finanziellen Mitteln wurde der Körper der kleinen Rosalia mumifiziert. Heute ruht sie in der Kapelle Santa Rosalia in einem gläsernen Sarg, geschmückt mit einer gelben Schleife im Haar.

Gläserner Sarg mit der Mumie von Rosalia Lombardo
In diesem gläsernen Sarg liegt die Mumie von Rosalia Lombardo.
Foto: © Habanero666, Rosalia im Mai, CC BY-SA 3.0

Wenn die Menschen sie sehen, fällt es ihnen schwer zu glauben, dass sie nicht mehr atmet, so gut ist sie konserviert. Ihr Gesicht ist noch vollständig erhalten, was weltweit einzigartig ist.

Dafür verantwortlich war der Einbalsamierer Alfredo Salafia. Sein lang gehütetes Konservierungsgeheimnis konnte erst 2009 gelüftet werden, als man sein Nachlasspapier fand. In diesem offenbarte der Chemiker seine Formel und es stellte sich heraus, dass er das Blut der kleinen Rosalia durch eine Mischung aus Glyzerin, Formaldehyd, Salicylsäure, die er in Alkohol löste, Zinksulfat und Chlorid ersetzte.

Rosalia Lombardo war die letzte, die in der Kapuzinerkrypta bestattet wurde und die einzige, bei der die innovative Formel von Salafia zum Einsatz kam. Zuvor hatte man die künstliche Mumifizierung mit Arsene und Quecksilber praktiziert. Eigentlich war die Mumifizierung seit 1881 bereits verboten, aber für die kleine Rosalia wurde eine Ausnahme gemacht und so gilt sie heute als die "schönste Mumie der Welt".

Mumie von Rosalia Lombardo
Bild von Rosalia Lombardo, der schlafenden Schönheit von Sizilien.
Foto: © Sibeaster, Rosalia Lombardo, Ausschnitt von RM, CC0 1.0

Wichtiger Hinweis und ein Tipp:
Pssst. Sobald Sie den unterirdischen Friedhof betreten, sollten Sie sich ruhig verhalten und Ihre Kamera in der Tasche lassen. Das Fotoverbot gilt aus Respekt vor den Toten. Zurecht wie wir finden, denn sonst ließen sich pietätlose Selfie-Szenen kaum vermeiden.

Wenn Sie den Gänsehaut-Regler ganz aufdrehen wollen, dann besuchen Sie die Kapuzinergruft einfach unter der Woche und möglichst früh am Tag, wenn wenige Besucher vor Ort sind. Mit etwas Glück durchlaufen Sie die Gänge dann sogar ganz alleine - mit den Toten an ihrer Seite.

Die Kapuzinerkatakomben sollen die Besucher an die die Vergänglichkeit des eigenen Lebens erinnern und sind ein sehenswert-schauriges Erlebnis in Ihrem Palermo-Aufenthalt. Die Faszination, die davon ausgeht, kann man schwer beschreiben, Sie müssen es selbst erleben, wenn das mulmige Gefühl in Ihnen aufsteigt, sobald Sie die unterirdischen Gewölbe betreten.

Hätten die Palermitaner die Katakomben im zweiten Weltkrieg nicht als Luftschutzbunker genutzt und wären nicht Teile durch Bombardierungen zerstört worden, wären heute noch ein Großteil der einst platzierten 8000 Mumien zu bestaunen. Geblieben ist aber die mit über 1.000 Toten immer noch weltgrößte Mumiensammlung.

Wenn Sie auf der Suche nach einem Erlebnis sind, das Ihrem Aufenthalt im sonnig lebendigem Palermo einen impulsgebenden Kontrast verleiht - die Kapuzinerkatakomben von Palermo sind der richtige Ort für Sie!

Karte, Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Öffnungszeiten & Adresse
Mo - Fr: 10:30 - 17:00 Uhr
Sa + So + Feiertage: 10:00 - 18:00 Uhr
Eintritt: Ein Besuch im Reich der Toten kostet pro Ticket 3€
Standort anzeigen (Google Maps)
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